Nach Tucson-Massaker attackierte US-Rechte bläst zum Gegenangriff


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Ablenken, Verwirren, rasch das Thema wechseln – die Reflexe der US-Rechten sind stets die gleichen, wenn sie unter Druck geraten. Wer kann völlig wegargumentieren, dass die Hasstiraden gegen Obama & die Dems und teils offene Gewaltaufrufe in der Rhetorik der Tea Party nicht zur Schaffung eines Klimas beitrugen, in dem labile Wirrköpfe wie der Tucson-Killer Jared Loughner endgültig kippen.

In der Defensive schießen die Konservativen aus allen Rohren, ganz nach dem Motto, wer lauter schreit hat recht (auch das ist eines ihrer bewährten Rezepte): Wie kann es etwa der Sheriff des Tatortbezirkes, Clarence Dupnik (75), wagen, das offensichtliche auszusprechen, als er klarstellte, dass das Aufbringen der Bürger gegen die Regierung rund um die Uhr durch Talkradio- oder TV-Agitatoren sowie vieler Tea-Party-Aktivisten eben nicht ohne Konsequenzen bleibe?

Die Sprachrohre der rechten Propaganda, „Fox News“ und der „Drudge Report“, zogen prompt den ehrlichen Sheriff durch den Kakao – als ginge es bei der Debatte plötzlich nur mehr um Dupnik und nicht um das erste Schussattentat auf eine Kongress-Abgeordnete seit 32 Jahren. Oder um die Frage, wie der vorbestrafte und mental reichlich unstabile Loughner unbehelligt eine halbautomatische „Glock 19“ kaufen hatte können.

Dazu, Dreistigkeit ist die Stärke der US-Rechten, seien jetzt eher die Liberalen zu verdammen, da sie die Tragödie für politische Vorteile ausschlachten würden. Und sich auch noch erfrechten, gar die Tea-Party-Ikone Sarah Palin anzugreifen. Fox-Politprediger Glenn Beck erzählte seiner Audienz mit mitleidigem Ton, dass uns die „Linke“ jetzt einreden wolle, Sarah Palin sei „gefährlich“.

Trotz des wilden Herumfuchteln ihrer Fans sieht es nicht gut aus für die schrille Rechtsaußen-Sirene und 2012-Tea-Party-Hoffnung: Sie hatte auf einer Karte Fadenkreuze über Wahlbezirke mit bei den „Midterms“ angreifbaren Demokraten gelegt, darunter natürlich auch der Giffords. Die beschwerte sich sogar darüber, meinte, dass sich Palin über die Konsequenzen solcher Gewaltsymbolik mal den Kopf zerbrechen sollte. Tage später wurde Giffords Wahlbüro in Tucson von Vandalen demoliert. Weiters hatte Palin nach der Verabschiedung der Gesundheitsreform gedroht: „Wir ziehen uns nicht zurück, wir laden neu durch!“

Doch selbst in der Defensive fehlt es den Konservativen nicht an Selbstbewusstsein: Fox News warnte Obama bereits, dass jegliche Referenzen über die Radikalisierung der Politik in den USA bei seiner Trauerfeier-Rede am Mittwoch „ernste Konsequenzen für den nationalen Dialog hätten“.

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