Obama: “M.I.A.” statt “Yes We Can…”

By Published On: 13/04/2011Categories: Latest News

So platzen Träume. Der Hoffnungsträger einer ganzen Generation entpuppt sich als leerer Anzug. Lange wurde gezögert mit derart harschen und endgültigen Abhaken der Präsidentschaft von Barack Obama: Man wollte ja nicht gar zu naiv sein, um an raschen, nachhaltigen Wandel zu glauben, dem jungen Aufsteiger Zeit geben, den schwierigsten Politjobs der Erde zu meistern.

Doch es sind nun über zwei Jahre – und die Bilanz ist ernüchternd. Ich spare die Details an “No We Couldn´t” (Gierbanker, Klima, Guantanamo Bay, soziale Gerechtigkeit, Weltpolitik), Es geht um Obamas Leadership – oder eher der Mangel daran. Egal welche Krise oder welcher Showdown, das Muster ist gleichbleibend: Zuerst langes Schweigen des “Missing in Action”-Präsidenten (was Kontrahenten die Chance gibt, die Debatte zu besetzen), nach unüberhörbarer Medienkritik schließlich spätes Aufraffen im Oval Office – geprägt meist durch schön formulierte, vom Teleprompter gelesene Reden und früher Kapitulation durch oft faule Kompromisse.

  • Beispiel “Reichensteuer”: Obama ließ Partei und Basis staunend zurück, als er gleich zum Beginn der Debatte den Republikanern die obszöne Fortsetzung der Bush-Tax-Cuts selbst für Superreiche zugestand. Er hätte bereits mit der weißen Fahne gewachelt bevor die Schlacht überhaupt begann, wurde geätzt.
  • Dann der “Nahost-Frühling”: Mubarak hielt er viel zu lange die Stange, bei Gaddafi wartete Obama ein Monat auf die Durchsetzung der No-Fly-Zone. Als die Jets flogen, wollte er den Einsatz keinen wirklichen Krieg nennen (“America at No-War”, ätzte John Stewart…). Dann jettete er nach Brasilien und erklärte den US-Bürgern fünf Tage nach den ersten Bombenflügen, wie Amerika den gerade begonnen Krieg jetzt der hoffnungslosen NATO übertragen werde. Gaddafi ließ er dazu bei jeder Gelegenheit wissen, dass es nie Bodentruppen geben wird. Die “Obama-Doktrin” ist nun das Gegenteil zur “Powell-Doktrin”: Hundertprozentiger Misserfolg garantiert!
  • Und zuletzt der Showdown ums Budget: Erst ein paar Tage vor dem Shutdown mühte sich Obama zum Verhandlungstisch, sein Stab erdreistete sich auch noch, den Zögerpräsidenten als “Erwachsenen” zu stilisieren, der den Kongress-Kindergarten zur Ordnung rufe. Seine eigenen Ideen zur Abwendung des US-Ruins legt er aber erst heute vor. Niemand hält die Luft an. Die Rede wird wieder schön formuliert sein, keine Frage, doch wenige heiße Eisen angefasst werden.

Obama, das scheint nun klar, ist kein “Revolutionär”, sondern wieder nur ein ganz normaler Politiker, der für seine Wiederwahl 2012 taktiert und eine Milliarde Dollar dafür sammeln will. Ein Hauch an Feuer in seiner Rhetorik wird  meist nur spürbar, wenn er seine eigen Basis wegen ihre ständigen Nörgelei abkanzelt. “Wir sind die, auf die wir gewartet haben!” Remember? Und vielleicht haben wir nächstes Jahr ganz andere Pläne.