„Irene“ live: Erstaunte Blicke im Battery Park beim Wort „Evakuierung“…


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Evakuierung? Vielleicht habe ich das Wort während des Herannahens von Monstersturm „Irene“ verdrängt, trotz meiner täglichen Verarbeitung diverser Mediensuperlativen und Expertenwarnungen. Estee erwähnte es fast nebenbei, als ich gerade mit den Kids zur Türe raus am Weg zum Spielplatz war. Ich drehe daher meinen Computer an den Tischen nahe des Spielplatzes – wo ich im Sommer viel auch meiner Arbeit erledige – mit dem Live-TV-Fenster laut auf, als Bloomberg vor das Mikro tritt: Er spricht von möglichen Zwangsräumungen in den besonders gefährdeten Küsten- und Ufer-Zonen der Kategorie A, wolle aber bis Samstag 8 Uhr noch mit dem endgültigen Räumungsbefehl zuwarten, sagte er. Wörtlich nannte er „Battery Park City“, wo wir uns gerade aufhalten.

Rasch hat sich eine Traube um meinen Laptop versammelt, alle sehen jetzt so überrascht und ratlos drein wie ich selbst. Klar ist die Botschaft: Die Sache ist ernster als angenommen! Doch was tun? Jemand scherzt, wir sollten den Hurrikan mit Stil überstehen und uns im Plaza-Hotel einquartieren.

Alle kichern, doch ein Hotel ist keine so schlechte Idee, vor allem da ich für die Berichterstattung über die mögliche, historische Katastrophe in Manhattan bleiben sollte. Estee findet am Internet dann das „Millenium Hilton“ nahe des Times Square. Tja, hätte ich als „New Yorker“ auch nie gedacht, mal mit den Touris am Times Square zu logieren. Über $1.000 nimmt der Laden für drei Nächte… Wird die Evakuierung doch noch Samstag früh abgesagt, verlieren wir den Preis einer Nacht durch die späte Stornierung. Aber was soll´s: Eine Buchung nach einem möglichen Bloomy-Evakuierungsbefehl wäre sicher dann aussichtslos – und wir Samstag früh Stunden vor Irenes Eintreffen gestrandet. Peace of Mind.

Die Kids sind etwas verwundert, warum wir ins Hotel sollen, Mia sitzt am Fenstersims und hält Ausschau nach dem „Storm“. Auf CNN laufen am Abend dann wirklich beruhigende Computersimulationen, wo die Flutzonen in Lower Manhattan nach einem Treffer eines Kat-2-Hurrikans braun markiert sind. Es sind erschreckende Bilder: Battery Park City, praktisch komplett geflutet. Die West Street an unserem Haus, ein Fluss. Die Baugrube von „Grund Zero“ mit brauner Brühe gefüllt, der Battery-Brooklyn-Tunnel und die U-Bahnröhren mit Meerwasser vollgelaufen.

Mit einem Anflug an Galgenhumor ist es Zeit für einen Katastrophenfilm-Klassiker: Da „The Day After Tomorrow“ leider nicht erhältlich ist im HBO-Aerchiv wählen wir „Independence Day“.

Freitag morgen: Irenes Bahn wurde leicht nach Osten verlegt, soll jetzt über Long Island führen. Doch noch lange kein Grund zur Entwarnung: New York liegt jetzt an der „schmutzigen Seite“ des Wirbelsturmes, wo Sturzregen und Böen am ärgsten sind. Ich kaufe noch zwei Taschenlampen, erledige vorab so viel an Kram wie möglich. Und das Wetter? Die Ruhe vor dem Sturm. Sonnig, leichte Briese, doch bereits extrem schwül. Irene ist im Anmarsch.

UPDATE, 14:24 Uhr: Also doch, wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Bloomberg sonore, einschläfernde Stimme verkündete gerade dramatisches – die Evakuierung von Zone A (als wir…) ist befohlen, soll Samstag 17 Uhr angeschlossen sein. Wir werden uns morgen am Weg ins Hotel mache. Dazu wird Samstagmittag das gesamte Subway-Netz stillgelegt, ein historischer Schritt in der Stadtgeschichte.

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