Irene „live“: Die ersten Regenbänder sind da, wir haben gepackt…


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Als Monstersturm „Irene“ Samstag kurz vor 8 Uhr Ortszeit erstmals gegen die US-Küste nahe Cape Hatteras (North Carolina) mit röhrenden Windböen von 177 Kilometer prallt, haben wir in unserem Apartment auf 21 West Street im Finanzbezirk fast fertiggepackt. Unser Gebäude am Südzipfel Manhattans liegt in Flut-Zone A. Jetzt sind wir Teil einer historischen Karawane an Hurrikan-Flüchtlingen, die die Flucht aus den flutgefährdetsten Zonen antreten, darunter ganz Battery Park City gegenüber unseres Hauses. 270.000 New Yorker sind es insgesamt. Bis Samstag, 17 Uhr, muss die erste Hurrikan-Massenflucht in der Geschichte der Weltmetropole abgeschlossen sein.
Wir hatten noch rechtzeitig das Millenium Broadway Hotel nahe des Times Square gebucht. Ein Glück, denn als Bloomberg die Evakuierung anordnete, waren die Hotels gebucht. Oder nur mehr Luxus-Suites um 700 Dollar die Nacht erhältlich. Wir hatten natürlich Angebote von Freunden erhalten, bei ihnen den Sturm zu überdauern: Fast wie nach dem 11. September rückt die Stadt bei der nächsten Prüfung eng zusammen. Wie nehmen selbst eine Nachbarin mit ins Hotel, die kein Zimmer mehr fand. 65 öffentliche Schutzräume sperrten für Gestrandete auf. Bei uns in der Lobby liegen bereits die Sandsack-Barrieren. Das Personal wird während des Sturmes im Gebäude bleiben, hieß es. Vor allem aus Sicherheitsgründen.
Nicht alle nehmen den Sturm ernst: Im Lift traf ich einen Typen, der sich über die Sturmprognose lustig machte, in der Wohnung bleiben und sich während des Sturmes sogar ins Nachleben stürzen wollte. „Die größte Gefahr bei einem Hurrikan hier sind die New Yorker selbst“, hatten wegen solchen Idioten Experten im TV gewarnt.
Theoretisch könnte die Polizei Strafmandate von 500 Dollar und sogar 90 Tage Hafte beim Widersetzen des Evakuierungsbefehls verhängen. Polizeiwagen rollten in „Zone A“ und riefen Bürger per Lautsprechern zur Flucht auf: „Flüchten Sie! Ihr Leben ist in Gefahr!“ Cops gingen durch Gebäude, klopften an Türen. Neben den Windschäden, wo der Sturm in den engen Hochhaus-Canyons in extreme Windböen gebündelt wird und Objekte wie Missiles durch die Luft fliegen, fürchtet New York vor allem die Sturmflut: Das rotierende Monster schiebt dabei eine Wasserwand hinauf die Hudsonmündung, der East River wird anschwellen. Die 9/11-Baustelle „Ground Zero“, Straßen- und U-Bahntunnel könnten volllaufen. Dazu wurden 254 Millimeter Regen prognostiziert. Wir müssen uns beeilen, die U-Bahn sperrt um 12 Uhr zu und Taxi sind bereits äußerst rar.

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