Irene „live“: Erste Platzregen als würde jemand die Dusche anstellen….


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Evakuierungen und der herannahende Hurrikan „Irene“ transformieren New York in einen bizarren Ort. In der 24-Stunden-Drogerie „Duane Read“, Sixth Ave., 45. Straße, sind die Regale mit frischen Speisen längst leergeräumt, am Bankomat hat sich eine lange Schlange gebildet. Die Glitzerwelt des „Times Square“ ist noch mit den üblichen Touristen-Massen gefüllt, in den Regenpfützen der ersten Regengüsse spiegeln sich die Live-TV-Hurrikan-Bilder der Networks von den gigantischen Videotafeln.

Der U-Bahn-Knoten, wo sich sonst Tausende drängen, ist völlig verwaist. Zwei dünne, rosa Bänder versperren den Treppeneingang, niemand steht hier mehr rätselnd davor – die Nachricht vom ersten „Shutdown“ der Subway in der Geschichte New Yorks hat sich längst in aller Welt verbreitet. Ich nehme eine Taxi nach Tribeca, fahre mit meinem Roller weiter runter zu „Ground Zero“.

Erstaunlich: An Stellen der 9/11-Baustelle wird immer noch gearbeitet, doch die meisten Kräne sind bereits fest verzurrt. Die größte Angst hier: Dass die Sturmflut die Gruben füllen und der Wind  Trümmer vom bereits 80. Stockwerke hohen 1 WTC wehen könnte. „Das wird möglicherweise mein erster Hurrikan“, wundert sich Besucher James Rekow (57) aus Minnesota: „Und das ausgerechnet in New York…“ Fast genießt er jedoch den „Ground Zero“-Rundgang ohne die üblichen Massen.

Immer wieder bricht der Platzregen los – so plötzlich und vehement, als würde jemand die Dusche anschalten. Die ersten Regenbänder: Die werden nun immer stärker werden, die Intervalle kürzer – bis zum feuchten Inferno.

„Battery Park City“ ist eine Geisterstadt: Der Wohnbezirk liegt komplett in der Flutzone A, hier könnten die Überschwemmungen am schlimmsten werden. Der Bootshafen „Marina“ ist menschenleer, es ist totenstill, nur Insekten-Zirpen ist zu vernehmen. Das Tollhaus New York wirkt plötzlich wie ein idyllischer Tropenferienort. Fast gespenstisch ist die Szene, der Hudson liegt still da, kaum eine Brise ist bisher auszumachen. Doch in nur wenigen Stunden werden die Böen den Fluss wild aufpeitschen. Im Lokal „River House“ schenkt das Personal die letzten Drinks aus. Um 17 Uhr muss der Laden dicht sein. New York feiert noch ein wenig weiter. Und alle verabschieden sich jetzt mit „Good luck to you…“ Die Metropole rückt weiter zusammen.

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