Irene, eine Nachbetrachtung: TV-Hyper ignorierten offensichtliche Abschwächung des Sturmes

By Published On: 29/08/2011Categories: Latest News

Es wäre ungerecht, Bürgermeister Bloomberg einen Vorwurf zu machen wegen dem Subway-Stop und der Massenevakuierung von 370.000 (auch wenn es verführerisch ist, eine Überkompensation für sein kolossales Versagen beim Weihnachts-Blizzard 2010 zu orten…).

Seit Irene über die Bahamas röhrte hagelte es vor allem seitens der “Experten” und TV-Meteorologen immer apokalyptischere Superlativen über den Killer-, Monster- und Jahrhundert-Sturm (ja, auch ich habe diese Wort verwendet!…). Schon klar: Ein Hurrikan der Kategorie 2 kann New York tatsächlich, wie Computersimulationen eindrucksvoll zeigen, einen verheerenden KO-Schlag versetzen, Lower Manhattan samt Auto- und U-Bahn-Tunnels, Ground Zero und die Wall Street in den Fluten versinken.

Doch was war wann absehbar: Erwartet wurde, das Irene sich auf einen Kat-4-Killersturm mit Dauerwinden von 217 km/h intensiviert vor dem ersten Aufprall in North Carolina. Doch das passierte nicht. Maximal erreichte Irene 186 km/h, schwächte sich sogar bereits vor dem ersten Landfall auf Kat 1 ab. Nun müsste für jeden der hyperventilierenden TV-Wetterfrösche klar gewesen sein, dass sich der Wirbelsturm am Weg nach New York weiter dramatisch abschwächen werde – und das war auch bereits lange vor der Evakuierung absehbar. Kältere Meerestemperaturen, das Überqueren von Landmassen, die Nähe zu Küste – das alles schwächt Hurrikane. Und mit einer bereits geringeren Intensität als erwartet, schien offensichtlich, dass Irene es nie als Hurrikan nach New York schaffen würde.

Doch die TV-Apkaloyptiker mit ihren rotierenden, farbenprächtigen Radarwirbel im Hintergrund fanden tausend Gründe, warum der Sturm dennoch zur Apokalypse führen könnte: Einmal war es die Größe, dann der niedrige Luftdruck, oder der langsame Zug die Küste hinauf. Alles fein und relevant für die Flutgefahr im Landesinneren, die mit den massiven Überschwemmungen keinesfalls übertrieben wurde. Doch für New York waren vor allem die Windstärken relevant: Die bestimmen Sturmschäden an den Gebäuden und das Ausmaß der potentiell verheerenden Sturmflut – die am Ende nur wenige Straßen für kurze Zeit überschwemmte. Und, wie die NYTsüffisant schrieb, “eindrucksvoll über die Gummistiefel der TV-Korrespomndenten schwappte…”

Fragwürdig scheint auch, warum das National Hurricane Center Irene noch knapp vor New York als Kat-1-Hurrikan führte, obwohl er beim nächsten Uodate dramatisch abgewertet wurde. Deren Experten sagen jetzt, dass der Sturm nie das erwartete Recycling der “Augenwand” abschloss und ihm deshalb die Kraft ausging. Doch auch diese Indizien müssen für die Spezialisten schon lange vor New York sichtbar gewesen sein.

Der Punkt ist: Wenn die Schwächung offensichtlich ist, sollten die TV-Networks das auch korrekt wiedergeben, anstatt den Sturm weiter zu hypen, nur weil so viele zusehen. Beim nächsten, vielleicht weit gefährlicheren Hurrikan wird kaum mehr wer ein Wort glauben.

Fast erbärmlich wirkte dann, als Jim Cantore vom Weather Channel selbst zehn Stunden nach Irenes Durchzug immer noch am Bettery Park stand und von den “bisher stärksten Winden an der Rückseite des Sturmes” berichtete. Und darauf verwies, wie eine Welle ein paar Tropfen über den Pierrand spritzte. Natürlich stimmt auch, dass Irene mit 28 Toten und bis zu $13 Mrd. Schaden entlang der Ostküste ein verheerender Sturm war. Doch New York selbst wurde eher das Opfer des Hypes…