Buch-Enthüllung: Geithner widersetzte sich Obama-Anordnungen

By Published On: 16/09/2011Categories: Latest News

Fast ist es ja ein Rätsel: Wie kann einem charismatischen Präsidenten, der so viele bewegt und immer das richtige sagt, so krass der Erfolg verwehrt bleiben (gerade versinkt etwa seine Jobs-Initative im Sumpf des DC-Politchaos).

Ist es seine eigene, mangelnde Gabe zu entschiedener Leadership? Oder lassen ihn seine Top-Berater und Regierungsmitglieder im Stich? Das Buch des Starautors Ron Suskind (Confidence Men: Wall Street, Washington, and the Education of a President) deutet auf letzteres. Unter den schockierendsten Enthüllungen: “Treasurer” Timothy Geithner hätte sich glatt einer Anordnung Obamas widersetzt, den bankrotten Bankriesen Citigroup nach der Staatsrettung zu zerschlagen.

Obama bestätigte die Meuterei gegenüber dem Autor, doch er spielte den Vorfall herunter: “Agitiert wäre ein zu starkes Wort”, dozierte Professor Obama.

Nun kann er das wie so oft sehr cool sehen, doch wird alles bitter bereuen, sollte er nächsten November aus dem White House fliegen – und die Nation nach all den Erwartungen mit dem vielleicht größten Kater ihrer Geschichte zurücklassen.

Denn der Vorfall ist exemplarisch – an so vielen Fronten: Was hatte etwa Geithner, der als New Yorker “Fed” im Zentrum des Subprime-Wallstreet-Skandals saß (und nicht mal seine Steuern komplett zahlte) eigentlich in der Obama-Regierung verloren? Er hätte nicht all die Berater bekommen, die er wollte, gestand Obama Suskind. No kidding. Als Topberater fungierte bis 2010 ja sogar der von Wall Street längst eingekaufte Larry Summers, der gerne über die positiven Kräfte entfesselter, unregulierter Finanzmärkte schwärmte ($5,2 Mio. kassierte er im Jahr vor seiner White-House-Rückkehr vom Hedgefonds D.E. Shaw, $2,7 Mio. von anderen Wall-Street-Firmen).

Und Geithners offene Befehlsverweigerung, Mr. Obama? Seine Entschlussfreudigkeit wäre durch das Tempo seiner Bürokratie unterminiert worden, mit dem seine Anweisungen umgesetzt wurden (oder eben auch nicht…). Das gilt offenbar besonders bei den zwei wichtigsten Politikentscheidungen, die Obama nun Kopf und Kragen kosten: Das erste Konjunkturpaket geriet zu gering – und die Wall Street kam selbst nach dem größten Bankraub der Menschheitsgeschichte nach 2008 mit einem “Slap on the wirst” davon.

Too big to fail? Anstatt diese Banken wie versprochen zu zerschlagen, sind sie heute durch das Untergehen kleinerer Institute mächtiger und gefährlicher denn je. Die Billionen von Fed und Staat wurden kaum zur Bereinigung toxischer Bilanzen, Kapitalausstattung oder Kreditvergabe zur Wirtschaftsankurbelung verwendet, sondern erst recht wieder als Boni untereinander aufgeteilt. Jetzt torkeln sie in die nächste Krise – und wir werden sei wieder retten, während die US-Mittelklasse weiter darbt und die US-Staatsschulden explodieren.

Auch dieser Zorn der Bürger wird Obama voll treffen. Dass er sich der Wall Street nicht energischer entgegenstellte, wird als vielleicht größter Sündenfall wahrgenommen. Und dass Wall-Street-Timmy weiter Finanzminister ist, ist symptomatisch für dieses Versagen.