Hey, Jon Corzine: Wo sind die 1,2 Milliarden Dollar?

By Published On: 22/11/2011Categories: Latest News

Gerne führt der linke Doku-Filmer Michael Moore aus, “dass keiner der Wall-Street-Gangster bisher verhaftet wurde, während die Polizei in den letzten Wochen tausende Occupy-Demonstranten malträtierte und festnahm”. Er hat recht, abgesehen von Milliarden-Ponzi-Betrüger Madoff oder Hedgefonds-Insiderhändler Raj Rajaratnam.

Der große Test, ob Wall Street jemals für Betrügereien zur Rechenschaft gezogen wird, kommt jedoch jetzt mit Jon Corzine. Kaum wer symbolisiert Macht und Missbrauch des Geldadels so drastisch wie er: Corzine wurde steinreich als CEO von Goldman Sachs ($400 Mio. an Aktieneinnahmen), drängte dann in die Politik (nur Geld macht vielleicht doch nicht glücklich…): Er “kaufte” sich den Gouverneurs-Posten in New Jersey (sorry, ließ sich wählen…), nicht sonderlich glamourös, doch sein Milliardärs-Buddy Michael Bloomberg hatte zuvor schon den glanzvolleren Bürgermeistersessel in New York erworben.

Als Politiker hatte Corzine während des Finanz-Aermageddons 2008 jede Menge guten Rat parat, wie die Gierbombe Wall Street mit strikten Reglements entschärft werden sollte, wie Jon Stewart in einem köstlichen “Dally Show”-Segment ausführte. An diesen Rat konnte sich Corzine nach seiner Abwahl als Jersey-Politchef und der Rückkehr zum Milliarden-Zocken als Chef des Finanzhauses MF Global kaum mehr erinnern: MF Global rutschte im Vormonat in die Pleite, die schlauen Broker füllten ihre Bücher mit über $60 Mrd. an Staatsanleihen taumelnder Euro-Krisenstaaten. Und das mit einer “Leverage” von 40 : 1 (für jeden Dollar Cash im Tresor 40 geborgte…), die selbst die Lehman Brothers wie Würstchen aussehen ließen.

Doch nun zum potentiell kriminellen: Die schwitzenden Broker griffen in den Tagen des Kollapses tief in die Konten der Anleger, laut jüngsten Berechnungen könnten bis zu $1,2 Mrd. verschwunden sein. Wenige Regeln sind an der Wall Street heilig, doch das Plündern von für Anleger als sicher garantier Einlagen zum Abdecken von Trading-Verlusten ist ein eklatanter, und potential krimineller Verstoß. Finanzdetektive brüten immer noch über den Büchern, denn MF Global agierte auch mit den üblichen Tricks des Hin- und Herschieben von Summen innerhalb eines Subfirmen-Geflechts samt “schwammiger Buchhaltung”, so die NYT.

Und Corzine? Niemand hat ihm oder seinen Managern bisher Verfehlungen vorgeworfen… Die Cops wären wohl nur aktiv geworden, wenn “Occupy”-Demonstranten in der Lobby von MF Global aufgetaucht wären…