Der Fall Trayvon Martin: US-Justiz kratzt gerade noch die Kurve…


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„Adults in the room“ warden im US-Jargon Leute bezeichnet, die mit Kompetenz und Vernunft in Debatten herausragen. Florida-Sonderstaatsanwältin Angela Corey ist eine solche. Sie klagte endlich Nachbarschaftswächter George Zimmerman (28) wegen Mordes an dem schwarzen Teenager Trayvon Martin (†17) an. Ihre Pressekonferenz am Mittwoch wurde zu einer der wenigen Sternstunden in einem Fall, der Amerikas Schwarze auf die Barrikaden trieb und inmitten der 24-Stunden-Seifenoper der Newskanäle die größten Rassenspannungen seit Rodney King verursachte. Am Ende hatten die zwei Lager nur mehr ihre eigene Propaganda betrieben.

Vergessen schien fast der Fall selbst. Den stellte Corey mit ihrer präzisen Mord-Anklage und redegewandten, versierten Auftritt wieder in den Mittelpunkt. Sie stellte damit auch das Vertrauen in die US-Justiz wieder her: Über Schuld oder Unschuld Zimmermans wird jetzt ein Gericht entscheiden. Beendet ist der unfassbare Skandal der örtlichen Polizei, die Zimmerman, der zweifelsfrei einen unbewaffneten Teenager tötete, einfach laufen ließ. Geglaubt wurde blindlings seine Notwehr-Version: Obwohl sich der Wächter Anweisungen der Polizei, den Teen nicht zu verfolgen, widersetzte, als Nachbarschaftswächter entgegen den Regeln eine Waffe trug. Und in 911-Anrufen mit Bemerkungen über „diese Arschlöcher, die mit allem davonkommen“ durchblicken ließ, dass er wohl die Absicht hatte, den vermeintlichen Gauner Trayvon diesmal „nicht davonkommen“ zu lassen.

Kein Wunder, dass ein Wutwelle von Afroamerikanern durchs Land schwappte. Jetzt beendete die Staatsanwältin die jämmerliche Debatte, wo beide Seiten Rufmord und grobe Manipulation begingen: NBC musste sich entschuldigen, da aus einem 911-Tape Zimmermanns die Frage der Beamten nach der Hautfarbe des Verdächtigen herausgeschnitten wurde. In der NBC-Version hörte es sich an, als hätte Zimmerman selbst mit der Rasse losgelegt. Rechte Medien durchwühlten dafür die Schulakten des Opfers Martin, veröffentlichten disziplinäre Probleme. Alles natürlich völlig irrelevant für die Todesnacht des 26. Februar. Selbsternannte „Freunde“ Zimmermans verbreiteten die Märchengeschichte, wonach der Schuss in einem „Kampf auf Leben und Tod fiel“ und dem Schützen die Nase gebrochen wurde. Komisch nur, dass er später mit unverletzter aus einem Polizeiwagen stieg.

Profi Corey stellt in der Anklage nun klar: Zimmerman hielt Martin wegen seiner Hautfarbe für verdächtig, konfrontierte und tötete ihn bei dem resultierenden Handgemenge. Zimmerman kann freilich beim Prozess freigesprochen werden, aber es liegt nun an den Geschworenen. Die US-Justiz hat ihre Schuldigkeit getan – und gegenüber der trauernden Martin-Familie das Vertrauen wiederhergestellt. Keine Minute zu früh.

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