Buch-Enthüllung: Hat Obama seine frühe Lifestory geschönt?


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Weniger als fünf Monate vor der Wahlschlacht wird das Leben Barack Obamas Leben wieder durchleuchtet – und einige der Enthüllungen müssen die Mine seiner Wahlstrategen verdüstern. In dem 641-Seiten-Wälter „Barack Obama: The Story“ erzählt Pulitzer-Preisträger und Washington-Post-Reporter David Maraniss die ersten 27 Jahre des heute historischen Präsidenten – und stieß auf viele Ungereimtheiten mit einigen der bereits fast legendären Anekdoten, die Obamas Bio „Dreams From My Father“ (Ein Amerikanischer Traum) zum Bestseller und Sprungbrett für seine spektakuläre Polkt-Karriere machten.

Kurz: Laut Maraniss habe Obama beim Tippen des Buches in den Neunzigern ungeniert Dichtung und Wahrheit vermischt. Es sieht fast so aus, als wollte der Präsident keine wahrheitsgemäße Geschichte seines Lebens darlegen, sagte der Autor auf MSNBC, sondern in dem Buch alles durch eine „Rassen-Linse“ sehen. Maraniss ortet nicht unbedingt böse Absichten, eher einen Druck, eine aufregendere Story zu publizieren. Das gelang Obama freilich: Die Biografie wurde weltberühmt wegen den dramatischen Passagen über die kenianische Verwandtschaft seines Vaters sowie seiner Rassen-Verwirrung und späteren Selbstfindung als Kind einer weißen Mutter aus Kansas und eines Afrikaners.

Talent beim Schreiben will Obama niemand absprechen, das Buch wird heute noch von Lesern verschlungen – ob alles wirklich so war, wird aber zunehmend bezweifelt. Da ist etwa sein Stief-Großvater in Indonesien, der angeblich im Kampf gegen niederländische Kolonisten sein Leben gab. Tatsächlich, so Maraniss, kam  er wenig heldenhaft beim Aufhängen von Vorhängen ums Leben. Obama habe dazu die Umstände seiner Jugend dramatisiert, verpackte alles, was mysteriös und außergewöhnlich schien, während er Hinweise auf ein mehr geborgeneres, ja normaleres Aufwachsen wegließ.

Um die Geschichte lebendig zu halten, erfand oder kombinierte er Charaktäre. Bestes Beispiel ist eine „New Yorker Freundin“, die eigentlich ein Mischmasch aus einer in Chicago und einer anderen im Big Apple darstellt. Die New Yorker Geneveive Cook erzählt in in ihren Tagebüchern über einen leidenschaftlichen, doch emotional leicht entrückten Liebhaber, bestätigt seine krampfhafter Suche nach Rassenzugehörigkeit. Doch Obama selbst musste zuletzt zugeben, dass sich viele New Yorker Szenen in „Dreams“ eigentlich in Chicago mit einer anderen Flamme abspielten.

Schon früher wurde Obama vorgeworfen, er hätte sogar seinen Drogenkonsum aufgebauscht, nachdem sich laut Recherchen der NYT niemand seiner High-School-Kameraden in Honolulu an gravierende Probleme erinnern hatte können. Obama wirkte eher „besonnen, motiviert und wissbegierig“, kaum wie jemand im Dauerdrogendunst.

Diesem Vorwurf widerspricht nun jedoch die Maraniss-Bio. Eher habe Obama untertrieben. Denn Barry, wie ihn alle nannten, gründete sogar eine „Choom Gang“ („Choom“ ist ein Verb für Kiffen), ein Gruppe, die auf Basketball und Marihuana stand. Obama erfand eine ganze Liste an deskriptiven Vokabular für verschiedene Methoden der Dröhnung.

Neben der losgetretenen Debatte um den Wahrheitstreue von Obama in seiner früheren Karriere als Schriftsteller enthüllt Maraniss aber auch eine lange Liste kurioser und fesselnder Fakten, die Obamas Jugend auch ohne Aufbauschen alles andere als gewöhnlich erscheinen lassen: Als Kind in Indonesien war er etwa verschrien als Bengel, einem Kind brach er gar den Arm. Sein Stiefvater hatte dort eine Zoo im Hinterhof mit Krokodilen, in einem Schulaufsatz wollte er bereits mit acht Präsident werden. In Hawaii geriet er mit seiner Kiffer-Gang bei einem illegalen Autorennen in einen Unfall, seinem Drogendealer dankte er sogar explizit in High-School-Jahrbuch. Eher humoriger wirken die Beschreibungen über all die „dämlichen Hüte“, die er während der College-Zeit trug und seine Vorlieben für asiatische „Sarong“-Umbindetücher. Legendär unter Unikollegen waren seine gelungene Imitationen von Mick Jagger.

Doch vielleicht peinlicher als alle Schwindel-Enthüllungen: Maraniss beschreibt, wie sich Obama einmal beschwipst und bekifft an eine junge Frau ranmachte mit der Träumerei, dass die „Welt ohne Kleider ein besserer Ort wäre“. Oh Barry…

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