Alte Weiße: Romney kandidiert für das falsche Amerika


Print Friendly, PDF & Email

Eigentlich war mit dem Abflauen der Wirtschaftserholung, dem Neuanstieg der Arbeitslosigkeit, Hilflosigkeit am G20-Gipfel und einer Patzer-Serie ein Sturz von Obama in den Umfragen erwartet worden. Stattdessen rasselte Rivale Romney nach unten: Laut Bloomberg-Umfrage führt der Amtsinhaber jetzt gar mit 53 zu 40 Prozent. Und nicht weil Wähler plötzlich das 2008-„Hope/Change“-Fieber gepackt hätte, sondern wegen Romneys Schwächen. Nach den Ekel-Vorwahlen liegt seine Popularität bei miesen 39 Prozent (Obama 55 %), 55 Prozent ist er zu abgehoben.

Andere Umfragen haben Obama knapper vorne (AP/GfK +3 %, Pew Research +4 %), doch auch in diesen hat sich Obamas Vorsprung ausgerechnet während wirklich schwerer Wochen vergrößert. Sicher: Obama muss fürchten, das ihm selbst freundlich gesonnene Wähler wegen dem Frust über seine eher enttäuschende Amtszeit nach all den hohen (verträumten) Erwartungen am 6. November eine glatte Abfuhr erteilen könnten. Und eine neue, mögliche US-Rezession, ausgelöst etwa durch den Euro-Pfusch, dürfte ihm fast sicher das Amt kosten.

Doch noch unüberwindbarer muten derzeit Romneys Probleme an: Der Herausforderer  scheint für ein anderes Amerika zu kandidieren, einem weißer, alter Männer. Damit kann er Präsident eines „Country Clubs“ werden, doch das Oval Office vergessen. Die Republikaner haben alles daran gesetzt, Obama mit Kongress-Blockade und Hass-Kampagnen  zu zerstören. Doch ihr Krieg richtet sich oft genau gegen jene Gruppen, die sie bei der ersehnten Rückeroberung des White House so dringend benötigen: Frauen, Latinos und Junge.

Lokale „Tea Party“-Scharfmacher in den US-Staaten übertreffen sich mit immer perfideren Schikanen für Frauen. Längst geht es nicht mehr um Abtreibung sondern Empfängnisverhütung. Romney wütete während den Ekel-Primarys zwar nicht an vorderster Front des „War on Women“, wie ihn die „Dems“ nennen. Doch er wagte auch nicht, sich offen gegen den Rückfall seiner Partei ins Mittelalter zu stellen. Richtig federführend hingegen war Romney beim Verbittern der Latinos: Berühmt wurde seine Phrase „Selbst-Deportation“, herzlos wollte er sogar alte Omas aus dem Land schaffen. Dass er, wie Donnerstag bei einer Rede bei einer Hispanics-Konferenz in Florida, ihnen nun die Hand zur Versöhnung entgegenstreckt, wird eher als schlechter Witz empfunden. Kaum Worte fand Romney auch im Showdown um die Verdoppelung der Zinsraten für Studentenkredite, die ab 1. Juli die Republikaner mit ihrer Blockade-Politik zu verantworten haben. Und dass es Romney nach dem 2008-Finanzcrash und der „Occupy“-Bewegung als $250 Mio. reicher Parade-„One Percenter“ nicht leicht hat, mit der darbenden Mittelklasse einen Draht herzustellen, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Obama weiß, dass er diesmal auf keine Euphoriewelle für einen Wahlsieg bauen kann. Doch recht clever fokussiert er auf Zielgruppen, die Romney braucht – und bisher nicht erreicht: Gerade verkündete Obama, dass er die Abschiebung junger Illegaler, die von ihren Eltern ins Land gebracht wurden, auf Eis legen will. Für Studenten legte er sich öffentlichkeitswirksam beim Tauziehen um ihre Uni-Schulden ins Zeug. Er sprach sich für Homo-Ehen aus, in gerade angelaufenen TV-Spots erinnerte er Wählerinnen an eines seiner ersten Gesetze, das eine Angleichung der Frauenlöhne erreichen soll (Fair Pay Act).

Romneys Distanz zu diesen entscheidenden Gruppen wird als Hauptgrund für seine miesen Umfragewerte angesehen. Er könnte versuchen mit der Wahl seines Vize, sich zumindest bei einem Wählersegment anzubiedern. Doch die Liste ist lange – und ein derartiger Versuch ging für John McCain 2008 durch das Fiasko mit Sarah Palin bereits ordentlich in die Hosen…

Previous 6/21: Obama-Bounce?
Next 6/22: Drei Mutation vor der Pandemie...