Showdown an der „Hofstra“: Vorentscheidung zwischen Obama und Romney


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Um 21 Uhr Ortszeit prallten Präsident Barack Obama und Republikaner-Rivale Mitt Romney zur vielleicht wichtigsten TV-Debatte der 2012-Schlacht ums Oval Office aneinander: In dem 90-Minuten-Duell im „Town Hall“-Format stellte ein Pool aus 82 unentschiedenen Wählern Fragen. Obama, der vor zwei Wochen in Denver die erste Debatte verschlief und Romney ein Comeback erlaubte, musste im Rematch wieder das Kommando übernehmen. Wurde er zum „Comeback Kid“ oder ist der „Change/Hope“-Traum bald vorbei? Der Live-Blog (aktuellstes oben):

# Letzte Runde in dem Schlachtfest: Romney lässt es „Menscheln“, erinnert an seine Zeit als Kirchenmann, der Menschen helfe. Appelliert, dass sich Amerika nicht mit hoher Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit abfinden müsse. Obama schließt mit der „47 Prozent“-Attacke gegen Romney. Kandidaten begrüßen ihre Frauen, Obama wirkt erschöpft aber erleichtert. Er hat das Comeback geschafft.

# Kandidaten gehen in die Überzeit. Wegen dem heftigen Schlagabtausch konnten Bürger bisher weit weniger Fragen stellen. Debatte ist nun insgesamt zu lange und zu negativ für das Millionen-Publikum. Die verbale Rauferei könnte leicht Wechselwähler abschrecken. Aber Obama hat bisher nicht die Coolness verloren, attackiert ohne zornig zu wirken.

# Romney reduziert Waffenwahn in Amerika auf das Versäumnis, dass Eltern ihren Kindern nicht sagen, vor dem Kinderkriegen zu heiraten und zu viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen… Unterstellt damit eine wachsende Gewaltbereitschaft durch gesellschaftliche Probleme und nicht die leichten Beschaffungsmöglichkeiten von Waffen.

# Brisantes Thema Libyen: Romney wirft Obama vor, am Tag nach dem Botschafter-Mord in Bengasi zu einem Fundraiser nach Las Vegas geflogen zu sein. Behauptet, dass Obamas ganze Nahost-Politik vor den Augen aller auseinander fällt. Obama kontert: Mit dem Tod von Diplomaten Politik zu machen, ist eine Beleidigung.

# „Town Hall“-Format begünstigt Obama: Er bewegt sich gelassen und geschmeidig über den roten Teppich. Romney wirkt steifer, bedrohlicher, mehr als Aggressor, obwohl Obama Rhetorik weit giftiger ist.

# Obama gelang in einer früheren Antwort, Romney als noch konservativer darzustellen als selbst Bush. Vor allem in Sozialfragen. Will damit bei Frauen punkten.

# Obama hat immer noch nicht Romneys Aussagen in den Skandal-Video zur Sprache gebracht, wo der Republikaner vor Millionären 47 % der Amerikaner als Faulenzer bezeichnet…

# Obama läuft jetzt zur Höchstform auf, Romney tut sich immer schwerer, seine Angewidertheit hinter seinem Standard-Grinsen zu verbergen. Obama schafft es offenbar unter seine Haut.

# Brillante Frage einer Wählerin: „Gouverneur Romney, ich habe Angst vor einer Rückkehr zu den Bush-Jahren mit wieder einem Republikaner im Oval Office – was ist der Unterschied zwischen Ihnen und Bush?“ Zwingt dadurch Romney, sich von Bush zu distanzieren und erlaubt Obama, Bush den Großteil seiner Wirtschaftsprobleme in die Schuhe zu schieben.

# Die Schlacht um die Suburb-Moms hat begonnen: Obama attackiert Romney, da der Abtreibungsrechte für Frauen einschränken und sogar Empfängnisverhütung erschweren wolle. Obama macht einen persönlichen Punkt: „Ich habe zwei Töchter, ich will dass sie künftig die gleichen Rechte haben“.

# Es fliegen wieder die Fetzen wegen Romneys Steuerplan: Obama wirft ihm vor, er würde weiter nicht verraten, wie er seine Steuersenkungen finanzieren wolle. Romney kontert mit dem Vorwurf an Obama wegen der explodierenden Budgetdefizite in seiner Amtszeit. Crowley muss das Wortduell beenden, um endlich eine neue Frage von den Wählern zuzulassen.

# Audienz reagierte mit geschocktem Schnaufen als Romney Obama respektlos zurückwies: „Sie werden gleich ihre Chance zur Antwort erhalten…“ Die 1000 Zuseher regierten auch mit Gelächter, als Obama und Crowley ihn in die Schranken weisen. Menge kann aggressiven Romney offenbar nicht leiden.

# Obama landete den ersten echten Treffer des Abends: „Benzin war so billig, da wir in der Rezession waren…“ Romney würde ebenfalls solch niedrigen Preise als Präsident ermöglichen, da er die Nation in die nächste Rezession führen werde.

# Obamas Standard-Floskel heute Abend offenbar: „Was Gouverneur Romney da sagt, entspricht nicht der Wahrheit“. Gestritten wird jetzt um Benzinpreise. Beide Kandidaten stehen sich zum ersten Gefecht gegenüber: Romney nährt sich Obama bedrohlich, Obama wehrt sich, doch zieht sich dann doch auf seinen Sessel zurück. Romney wirkt mit seiner dominierenden Art unsympathisch, als „Bully“, der Obama nicht zu Wort kommen lässt. Nun legt es sich Romney auch mit der Moderatorin an.

# Romney nimmt den Köder über Detroit an, verteidigt sich: Obama greift in seiner Antwort jedoch voll an: Er geisselt Romneys Philosophie, die nur den Reichen helfe und die Mittelklasse in den letzten 10 Jahren darben ließ. Amerika brauche diese alten Rezepte nicht, die das Land ins Verderben führten. Romney wollte Moderatorin Crawley die Führung entnehmen und sofort kontern, doch die wehrt sich erfolgreich.

# Kandidaten sind vorgestellt: Erste Frage geht an Romney, Student will wissen, wie Studenten mit ihren Schulden über die Runden kommen wollen. Romney argumentiert: „Das wichtigste ist, dass Studenten überhaupt einen Job bekommen“ Romney nimmt an, dass er beim Graduieren des Fragestellers 2014 Präsident ist. Lacht. Obama wirkt wesentlich dynamischer und angriffiger: Landet erste Treffen gegen Romney, der Detroit pleite gehen lassen wollte.

# Unglaublich: Romney hat vor der Debatte sogar das Sitzen auf einem Barhocker geübt, offenbar fühlt er sich dabei nicht so ganz sattelfest. Beide Kandidaten müssen die 90 Minuten meist auf solche Stühlen verbringen, dürfen aber auch herumwandern beim Beantworten der Bürgerfragen.

# Die Garderoben der Kandidatenfrauen, Michelle Obama und Ann Romney, sorgen für Diskussion: Beide tragen pink, vielleicht ein Zeichen zur Unterstützung der Brustkrebshilfe-Kampagne…

# Schon vor der Debatte gab es heftiges Gezerre zwischen den Camps über die Rolle der Moderatorin, CNNs Candy Crowley. Die hatte in Interviews gemeint, eine „aktive“ Diskussionsleiterin sein zu wollen. Obama und Romney wollten jedoch so wenig wie möglich unangenehme Fragen gestellt bekommen, wie ein ausgehobenes Memorandum zwischen beiden verriet. Erwartet werden heute Abend zwischen 12 und 15 Fragen von den Wählern.

# Mitt Romney´s Team twitterte ein Foto, wo der Republikaner im Wagen bei der Fahrt zum Auditorium die Hand mit Frau Ann hält: „Am Weg zu Debatte, es wird eine tolle Nacht“, heißt es in den Tweet.

# Obamas Konvoi ist am Weg zur „Hofstra University“, er verließ das „Melville Mariott“-Hotel um 20 Uhr, traf nach kurzer Fahrt um 20:28 Uhr ein. Früher während des vielleicht entscheidenden Tages hatte Obama der Presse zugerufen: „Ich fühle mich fabulös…“

# Romney hat drei der vier Münzwürfe gewonnen: Er darf u.a. rechts stehen, die erste Frage beantworten, Obama wird dafür als erster vorgestellt. Die Verhandlungsteams der Kandidaten einigten sich auf eine Raumtemperatur im „David S. Mack Sports and Exhibition Complex“ der „Hofstra University“ auf Long Island von 18,3 Grad Celsius. Während Reporter und Zuseeher deshalb frieren, wollen die Rivalen jede im TV verheerend rüberkommende Schweißbildung verhindern.

# Im US-TV laufen aktuelle Prognosen: Obama-Berater Robert Gibbs kündigte an, dass der Amtsinhaber „bestimmt aber höflich“ argumentieren werde. Er wolle vor allem Romneys Anti-Abtreibungs-Positionen zur Sprache bringen, um bei Wählerinnen zu punkten. Laut jüngster „Gallup“-Umfrage kam Romney bei Frauen auf einen Punkt heran, die Umfrage könnte jedoch ein „Ausreißer“ sein. Insgesamt geht es um Suburb-Frauen, die in den Schaukelstaaten wie Ohio, Florida, Virginia, Colorado und anderen das Zünglein an der Waage sind. Laut NBC-Experten Chuck Todd muss Obama im Wahlkampffinale seine Taktik ändern: „Bisher lief alles darauf hinaus, Romney als keine ernsthafte Alternative zu diskreditieren“, so Todd: „Das hat Romney mit seinem ersten Debattensieg in Denver jedoch klar widerlegt“. Nun müsse Obama erklären, warum er vier weitere Jahre im Oval Office verdiene.

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