Countdown Obama vs. Romney: Wer hat bessere Karten im Finale?

By Published On: 19/10/2012Categories: Latest News

Noch 18 Tage bis zur US-Präsidentschaftswahl, der teuerste Wahlkampf aller Zeiten mit Ausgaben von je fast einer Milliarde Dollar pro Kandidaten biegt in die Zielgerade. Die Rivalen Obama und Romney absolvieren nun pro Tag mindestens zwei Stops in den wichtigsten Schaukelstaaten, verteilen strategisch Ressourcen und mobilisieren ihre “Get out the Vote”-Hilfsarmeen. Am Montag steigt die letzte der drei TV-Duelle in Florida (Thema: Außenpolitik). Das Rennen ist ein Thriller, Obama hat seine solide Favoritenrolle vergeigt, doch insgesamt noch leicht die Nase vorne.

Eine Zwischenbilanz der Wahlschlacht 2012 vor den finalen zwei Wochen:

# Obama leistete sich mit dem Verschlafen der ersten Debatte in Denver einen furchtbaren Fehler. Denn es geht ja nicht, wie leider meist in der US-Politik, um Substanz: Der Präsident wirkte so als würde es ihn gar nicht mehr so richtig freuen im Oval Office. Das Image gravierte sich in die Psyche der Zuseher ein. Dabei hatte er die Chance gehabt, Romney, der nach seinem “47-Prozent”-Videodebakel, den verkorksten Tampa-Parteitag und Dauer-Patzereien längst in den Seilen hing, eiskalt abzuservieren. Schlecht auch, dass Obama seinen Fehler erst zwei Wochen später in Duell Nr. 2 ausbessern konnte. Das gab Romney mehr Zeit für ein Comeback. Obama widerlegte jetzt zwar die Kritik über mangelndes Feuer, ja schlimmer noch Lust beim hitzigen Duell in New York klar: Doch Romney ging keineswegs so unter wie er in Denver. Und vielen Wechselwählern stieß das Testosteron-Duell mit all den Untergriffen, dem Ins-Wort-Fallen und gegenseitigem Umkreisen wie zwei Raubkatzen sauer auf. Obamas Comeback dürfte daher maximal Romneys Schwung bremsen. Eine Umkehr der Dynamik ist fraglich.

# Obamas Strategie könnte sich am Ende als grober Fehler erweisen: Er setzte alles darauf, den abgehobenen Multimillionär Romney als ernsthafte Alternative im Oval Office zu diskreditieren. Er sollte eine klare “Choice”-Wahl sein, impft Team Obama seit Monaten der Nation ein: Vorwärts mit Obama. Oder zurück in Zeiten, wo nur die Reichen profitieren, mit Romney. Das klappte so lange bis Romney in Denver erstmals Statur zeigte: Viele konnten sich den Mann nun doch irgendwie im Oval Office vorstellen. Seine herbe Kritik an den enttäuschenden Obama-Jahren fällt plötzlich auf fruchtbareren Boden. Komiker Jon Stewart brachte es beim Obama-Interview Donnerstag auf den Punkt: “Was ist stärker? Ihr Argument für Ihre Errungenschaften und Visionen für die zweite Amtszeit oder jenes gegen Romney als glaubwürdige Alternative?” Obama hat bisher verabsäumt, Begeisterung für “Four more Years” zu schüren. Seine Ziele zu umreißen, Visionen zu offenbaren, wohin er Amerika führen will.

# Die Umfragen bieten derzeit ein gemischtes Bild, doch es dürfte knapp werden, so viel scheint klar: National fiel Obama nach dem Denver-Flop im Schnitt mit 46,9 zu 47,6 (Stand Freitag vormittag) zurück. Gerätselt wird dabei jedoch über eine “Gallup”-Umfrage, ein echter Ausreißer, wo Romney sieben Punkte vor Obama lag während alle anderen Erhebungen ein Kopf-an-Kopf-Rennen maßen. Sollte es für Obama einen “Bounce” nach dem Sieg in Debattenrunde 2 geben, dürfte sich der erst übers Wochenende manifestieren. Wenn überhaupt.  Mit Spannung erwartet wird auch, ob Romney nach Patzern bei Frauenfragen (“Mappen voller Frauen”) Boden bei den Wählerinnen verliert, die heuer die Wahl entscheiden dürften. Schaden kann ihm auch der Rechtskurs in Abtreibungsfragen: Laut “Gallup”-Umfrage wurde das Thema Abtreibung von Frauen mit 39 % als wichtigstes Anliegen genannt, weit vor Jobs oder der Wirtschaft. Obamas “Firewall” im Mittleren Westen hält dazu noch: Gewinnt er Iowa, Wisconsin und Ohio kann er den Rest der Schaukelstaaten verlieren. Doch Team Obama weiß: Stürmt Romneys vorwärts wie in den letzten Wochen, könnten auch diese Staaten fallen wie Dominosteine.

Es dürfte spannend bis zuletzt bleiben. Die USA ist weiter ideologisch gespalten, ja zweigeteilt. Vielleicht so tief wie nie in ihrer Geschichte. Einige sehen bereits eine lange Wahlnacht mit Stimmen-Nachzählungen, Protesten, ja Klagen. “Alltag” inzwischen in der US-Politik.