Noch 13 Tage: Obama nimmt Schwung des Debatten-Sieges ins Wahlkampffinale


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Der US-Präsident startete nur Stunden nach dem fulminanten Auftritt im letzten TV-Duell zu einer Tour durch sechs der neun Schaukelstaaten. Bei einem Auftritt in Florida geisselte Obama die Politik seines Republikaner-Rivalen Romney als „leichtsinnig“ und „komplett daneben“. Er diagnostizierte bei seinem Gegner wieder „Rommesie“: Er wolle beim Wahlvolk alle früheren Meinungsänderungen und Kurswechsel vergessen machen, so Obama. Kurz: Romney sei ein Opportunist, der allen nach dem Mund rede um gewählt zu werden.

Obama gewann den Showdown in Boca Raton Montagabend zum Thema Außenpolitik klar, laut CBS-Umfrage gar mit 53 zu 23 Prozent. Die Erfahrung des Amtsinhabers im Oval Office half ihn enorm beim Thema Außenpolitik. Bei den Brennpunkten Iran, Israel, Afghanistan bis sogar China blieb Romney oft nichts anderes übrig, als mit Obama übereinzustimmen. Obamas „Schwäche“ schien, dass er mit einem aggressiven Stil offenbar früher verlorenes Terrain aufholen wollte. Damit könnte er wieder Wechselwähler abgeschreckt haben, die vom Polit-Hickhack angewidert sind. Und Romney gelang zumindest, grobe Schnitzer zu vermeiden. Er schaffte den „Commander-in-Chief“-Test.

Doch die Höhepunkte lieferte Obama mit schlagfertigen Pointen – besonders als Romney einen geringeren Bestand an Schiffen als während des ersten Weltkrieges beklagte. „Wir haben heute auch weniger Pferde und Bajonette“, lästerte Obama: „Unsere Streitkräfte haben sich verändert über die Jahre“. Pferde und Bajonette wurde prompt zum Top-Trend auf Twitter. Überraschend schien Romneys Rolle als plötzlicher „Kandidat des Friedens“: Er verlangte zwar eine internationale Anklage gegen Irans Ahmadinedschad, doch wollte die USA im Nahen Osten sonst lieber friedliche Lösungen suchen lassen.

Obama punktete klar mit der Tötung Bin Ladens, vermenschlichte die Mission auch durch die Erinnerungen an Gespräche mit Angehörigen von 9/11-Opfern. Die große Überraschung: Das bisher heißeste außenpolitische Thema des Wahlkampfes, der US-Botschafter-Mord in Bengasi, kam kaum zur Sprache. Romney verpasste hier wohl endgültig seine Chance für eine effektive Attacke. Die Debatte könnte Obama im Umfragen-Thriller geholfen haben, doch dürfte das Rennen insgesamt bis zuletzt knapp bleiben.

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