Conspiracy-Irre: „Sandy Hook“ ist so gar nicht passiert?


Print Friendly, PDF & Email

Man muss sich fast übergeben: Als wäre der Albtraum des Amoklaufes des Psycho-Killers Adam Lanza mit 20 toten Volksschulkindern und sechs Erwachsenen nicht genug für den leidgeprüften Connecticut-Ort Newtown. Nun behaupten irre Verschwörungstheoretiker, das Massaker sei gar nicht passiert, alles eine Inszenierung der Obama-Regierung als Vorwand für neue Waffenverbote. Oder, ja nach der Version des im Internet kolportieren Wahnsinns: Die US-Regierung hätte die Bluttat gar selbst ausgeführt und Sonderling Lanza sei bloß ein Bauernopfer, während die wirklichen Killer untertauchen konnten.

Noch schlimmer: Die Mit-Pyjama-vorm-PC-Armee paranoider Fanatiker drangsaliert nun auch noch Angehörige der toten Sandy-Hook-Kinder mit Emails und sogar Anrufen. Ins Visier geriet der Schulnachbar Gene Rosen (69), der nach der Bluttat sechs völlig traumatisierte Kinder, die Killer Lanza aus der Klasse der getöteten Lehrerin Vicki Soto entkamen, in seiner Wohnung beruhigte und danach die Momente des Horrors in aufwühlenden  TV-Interviews beschrieb. Der Mann wird nun in Web-Foren als Lügner, Kinderschänder oder Satanist beschimpft. Er erhielt Drohanrufe.

Fünf Millionen sahen bereits das Pflichtvideo der „Truther“ (Wahrheitssucher), das Fakten auf den Kopf stellt und „Beweise“ für eine Verschwörung präsentiert. Darunter vor allem:

# Der an Autismus leidende Lanza hätte das Massaker so präzise gar nicht ausführen können, die Medien wären Hinweisen auf zwei weitere Schützen nie nachgegangen. Dabei werden Ungereimtheiten in der frühen Berichterstattung im unmittelbaren Chaos danach seziert, doch verschwiegen, dass später der Ablauf schlüssig geklärt wurde.
# Für die Conspiracy-Irren hätten die Eltern der toten Erstklassler auch nicht tief genug getrauert: Robbie Parker, der mit seinen Erinnerungen an Tochter Emily die Welt zum Weinen brachte, hätte vor dem TV-Auftritt gelächelt, so ein Videoausschnitt in Zeitlupe. Weitere Opfer-Eltern wären zu fröhlich bei CNN-Interviews gewesen. Der Schluss: Sie alle seien bezahlte Schauspieler in der Regierungsverschwörung!

Wir kennen das natürlich alles – und kollektiver Verfolgungswahn ist unter dem Punkt Meinungsfreiheit in der US-Verfassung fix verankert: Die UFO-Vertuschung von Roswell, „Grassy Knoll“ bei der JFK-Tötung, die schwarzen UN-Helikopter und natürlich jene finsteren Regierungskräfte, die in Wirklichkeit hinter dem Terror-Horror des 11. September standen.

Doch kaum eine Tragödie hat Amerika derart tief erschüttert wie „Sandy Hook“, die Gallerie der 20 Sechs- und Siebenjährigen gravierte sich ins kollektive Gedächtnis der Nation ein. Der nun den Angehörigen gegenüber so rücksichtslos verbreitete Unsinn erscheint deshalb als besonders ekelhaft. Und schockierend ist auch, dass sich mit Uni-Professor James Tracy in Florida auch noch ein Sprecher fand. Nachdem ihn CNNs Anderson Cooper in einem Beitrag kritisierte, zeigte sich „Prof. Truther“ auch noch dünnhäutig: Cooper würde ihn und seine Familie bedrohen, schrieb er in seinem Blog. Wie gesagt: Weniger zimperlich zeigen sich seine Anhänger bei der Belästigung von Eltern, die gerade ihre Kinder beerdigten.

Previous 1/15: Tour-de-France-Schwindler
Next 1/16: "NRA Practice Range"....