Tagebuch Corona-Krise, New York, Day 7: Der Start der Online-Schule


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Heute war eigentlich ein fast idealer Tag fürs Corona-Zuhausesein: Kalter und strömender Regen peitschte von Morgens bis Abends über das still gewordene New York. 

Meine Kinder Max und Mia begannen dafür mit ihrem Online-Unterricht: Pünktlich um 10 Uhr saßen sie beide am Esstisch mit ihren Laptops und holten sich ihre Unterrichtsaufgaben von ihren „Google Classroom“-Sites. Beide arbeiteten bis Mittag überraschend konzertiert. Dann erklärten sie fast triumphierend: „Fertig mit allem!“ Zwei Stunden Schule – die Premiere des digitalen Unterrichts war zumindest für meinen Nachwuchs ein voller Erfolg. 

Draußen jedoch verschlimmert sich die Lage dramatisch: Binnen 24 Stunden gab es 5.700 weitere Fälle im Big Apple. Die Dichte der Infektionen ist nun höher in New York City als selbst in Italien, rechnete die „New York Times“ vor: Es gibt hier 146 bestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner, in Italien 109. 

Die Todesrate im Big Apple ist jedoch wegen der jüngeren Bevölkerung niedriger. Die Lage in den Spitälern wird kritisch: Laut Bürgermeister Bill de Blasio könnten in einer Woche alle medizinischen Vorräte ausgehen.

Unsere eigene Versorgung läuft noch zufriedenstellend: Gerade konnten wir mit Online-Bestellungen den Kühlschrank auffüllen. Fortan aber steht der echte Supermarkt am Programm: Zustelltermine bei Whole Foods und Fresh Direct sind für die nächsten eineinhalb Wochen ausgebucht. 

Im TV läuft die nächste Pressekonferenz von Donald Trump. Es fällt gleich auf, dass der Top-Virologe des Landes, Anthony Fauci, in der Phalanx der Task Force, die stets rund um Trump steht, fehlt. Fauci hatte am Wochenende in einem Interview über Trump gelästert: Er müsse alles vier-, fünfmal erklären. Wenn Trump Unsinn rede, könne er ihn ja „nicht vom Podium stoßen“, erklärte die Koryphäe sein Dilemma. 

Trump erklärte, dass er die Quarantänemaßnahmen Ende des Monats bereits aufgeben möchte in Regionen, die nicht so stark betroffen sind. Und das, nachdem die Zahl der Neuinfektionen am Sonntag in den USA um mehr als 8.000 Fälle stieg – der größte Anstieg in jedem Land der Welt. 

Es ist glasklar: Trump hat vor allem seine Wiederwahl vor Augen. Er schlägt Empfehlungen der Gesundheitsexperten zur Eindämmung der Epidemie in den Wind, um die Wirtschaft zu retten – und seine Wiederwahl.

Herbert Bauernebel lebt mit seiner Familie in Lower Manhattan. In diesem Tagebuch wird der Alltag in New York während der schlimmsten Krise unseres Lebens in persönlichen Anekdoten beschrieben.

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