Tagebuch Corona-Krise, New York, Day 8: „Hochrisikozone“


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Eigentlich hätte da einiges los sein sollen: Am Morgen hatte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo im Messezentrum „Javits Center“ an der Westseite Manhattans eine Pressekonferenz abgehalten und angekündigt, dass in den riesigen, derzeit leerstehenden Hallen die Nationalgarde ein Notspital mit 1.000 Betten errichten wird. 

Publiziert wurden Fotos, in denen Soldaten zu sehen sind, die in dem Gebäude Aufstellung nehmen. Nur: Einige Stunden später, als ich dort für einen Live-Schaltung auftauche, sind keinerlei Aktivitäten zu bemerken. Einige TV-Teams stehen vor dem Komplex und packen gerade zusammen – doch von der Nationalgarde fehlt jede Spur. 

War es alles nur Show?

Am Nachhauseweg entlang des Fahrradweges am Hudson ist neuerlich vom Lockdown wenig zu bemerken. Bei strahlendem Frühlingswetter drängen sich Jogger, Radfahrer und Spaziergänger – oft ist die Einhaltung des Mindestabstandes schwer möglich. 

Es sind jedenfalls nicht gerade Bilder, die man von einer Metropole unter Lockdown erwarten würde. Schuld ist aber auch die Rhetorik der Offiziellen: Sie hatten Sport und das An-die-frische-Luft-Gehen ja ausdrücklich erlaubt: Es ist nicht unsere Schuld, dass wir in New York so viele sind.

Die Polizei hat nun jedenfalls die Aufgabe, jegliches Zusammenrotten und Verweilen im Freien zu unterbinden. Zumindest jene Beamte, die selbst noch nicht krank sind: Beim NYPD soll es bereits 110 Infizierte geben. 

Die Rhetorik von Cuomo wird unterdessen verzweifelter: Bei dem Outbreak in New York gäbe es „furchterregende Zahlen“, alle drei Tage hätten sich bisher die Infektionszahlen verdoppelt. Er schätzt, dass am Höhepunkt der Epidemie 150.000 Spitalsbetten benötigt werden würden, 50.000 gibt es derzeit. Auch bestellte der Demokrat 30.000 Beatmungsgeräte, die „Feds“ jedoch schickten bisher nur 4.000.

131 Menschen sind in New York bereits gestorben.

Bereits alle New Yorker werden als potenziell infiziert betrachtet: Das Weiße Haus ist der Ansicht, dass sich Bewohner, die den Big Apple verlassen, einer zweiwöchigen Selbstquarantäne unterziehen sollen. 

Das macht wirklich Mut… 

Vize Mike Pence verbalisierte dann die Designation des Großraums New York als „Hochrisikozone“. „Wir stehen euch bei“, sagte er. Beruhigt ist dadurch niemand. 

Die Warnungen vor einem der nun aktivsten Coronavirus-Hotspots der Welt sind natürlich nicht ganz unbegründet: Viele Einwohner sind aus der Stadt geflüchtet, jetzt gibt es bereits Infektions-Cluster von Long Island bis nach Florida.   

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