Corona-Tagebuch New York, Day 16: Spitalszelte auf der East Meadow


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Als zum letzten Mal im New Yorker Central Park Patienten behandelt wurden, tobte der amerikanische Bürgerkrieg. Jetzt stehen wieder weiße Sanitätszelte in der grünen Lunge der Weltmetropole: Behandelt werden diesmal nicht Soldaten, sondern Coronavirus-Patienten.

Errichtet hat das Feldspital die christliche Hilfsgruppe „Samaritan’s Purse“: 68 Betten sind in den 14 geheizten Zelten untergebracht. Einige sind ausgestattet wie in einer Intensivstation, mit lebenserhaltenden Maschinen. Die Gruppe stellte auch das ganze medizinische Team bereit: Ärzte, Krankenschwestern, Laboranten und zusätzliches Hilfspersonal. 72 Helfer insgesamt.

Das Feldspital wurde prompt zur größten Medienattraktion während der New Yorker Viruskrise: Die Bilder der Zelte auf der „East Meadow“ des Central Park gehen um die Welt. Dass der Chef der Christengruppe der homophobische Evangelist Franklin Graham (67) ist, haben liberale Medien festgehalten. 

Die Anlage soll vor allem die bereits aus allen Nähten platzenden Spitäler des Big Apple entlasten: Die ersten Patienten waren am Mittwoch erwartet worden.

Vor dem Eintreffen der ersten Corona-Kranken sprach ich mit einer der Krankenschwestern dort. „Wir sind aufgeregt, bereit, wir wurden genau für eine solche Situation ausgebildet“, sagt Shelly Kelly als Tulsa (Oklahoma). Die „Nurse“ hatte eigentlich erwartet, nach Italien geschickt zu werden, doch sie ist jetzt stolz, dass sie in ihrem eigenen Land in der größten und am stärksten betroffenen Metropole helfen kann. Sie war schon rund um die Welt im Einsatz, doch diese Mission ist ihre bisher wichtigste: „Wir sind hier in Central Park und helfen beim Kampf gegen eine Pandemie!“ 

Dieses Virus hätte die Welt nicht nur in Schockstarre versetzt, sondern auch geeint, findet sie: „Wir wissen alle, was es bedeutet, in Isolation zu leben, wir teilen den Schmerz, den dieses Virus uns zufügt…“ 

Seit Montag ankert auch das Navy-Lazarettschiff „USNS Comfort“ an der Westseite Manhattans. Dort sollen durch die schwimmende 1000-Betten-Klinik ebenfalls die überrannten Spitäler entlastet werden. Vor der Absperrung zum Pier 90, wo der mit roten Kreuzen markierte, 272 Meter lange Koloss ankert, kniet an Radfahrer am Boden und betet. Er wollte seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, sagt er.

Die Polizei versucht dort unterdessen, Menschensammlungen aufzulösen. Die Bilder bei der Ankunft, als hunderte New Yorker dicht gedrängt am Zaun standen, haben die Offiziellen verstört. Die NYPD-Beamten stehen aber selbst knapp beisammen, Masken tragen sie nicht.

Vor dem Brooklyn Spital in Fort Greene haben die Verantwortlichen jetzt reagiert, nachdem Szenen des Einladens von Toten mit einem Gabelstapler in einen Kühllaster am helllichten Tage auf einer öffentlichen Straße die Welt schockierten: Der Kühllaster steht zwar noch dort, das Kühlaggregat brummt, doch es wurde ein Zelt gebaut und ein rollbarer Zaun angeschafft, um die Sicht zu verstellen.     

Herbert Bauernebel lebt mit seiner Familie in Lower Manhattan. In diesem Tagebuch wird der Alltag in New York während der schlimmsten Krise unseres Lebens in persönlichen Anekdoten beschrieben.

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