Corona-Tagebuch New York, Day 21: Schlacht am Berggipfel


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Ist der Berggipfel erreicht, wird gerade die Entscheidungsschlacht geschlagen? 

Auf beängstigend hohem Niveau haben sich die täglichen Todesopfer- und Infektionszahlen stabilisiert. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, „America´s Governor“, hoffte, dass in New York die finale Schlacht mit dem Coronavirus begonnen hat. Und – trotz aller Warnungen: Die Frontlinien halten noch in den Spitälern, wenn auch manchmal bedrohlich knapp am Limit. 

Es gibt zwar weiter mitunter Engpässe bei der Schutzkleidung, doch bisher sind in New York weder Intensivbetten noch Beatmungsgeräte ausgegangen. Wie bei einer militärischen Schlacht werden Ressourcen und Personal zu den überranntesten Krankenhäusern umdirigiert – und auch Fachärzte in die Intensivstationen geschickt. 

Das heißt nicht, dass die Lage nicht brenzlig ist: Ein befreundeter Arzt textete mir gerade, dass in seinem Spital ein Therapeut am Wochenende verstorben ist. Ein Internist wurde an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. Nur wenige Pfleger mussten sich in der Intensivstation um 150 Covid-19-Kranke kümmern. 

Es sind verzweifelte Situationen auf den Krankenstationen – besonders in den am härtesten getroffenen New Yorker Boroughs Brooklyn, Queens und der Bronx.   

Die New Yorker befolgen die Distanz- und Zuhause-Regeln weitgehend. Das gespenstische Sirenengeheule den ganzen Tag ist eine gute Erinnerung daran, wie ernst die Virus-Lage bleibt. 

Das Maskentragen in der Öffentlichkeit kommt aber nur langsam vom Fleck: Immer noch unterhalten sich Menschen ohne Mundschutz in knappster Distanz. Eine riesige Gefahr: Laut jüngsten Studien kann die Ansteckung allein durchs Atmen passieren – und bis zur Hälfte der Infizierten haben keine Symptome. Ich gehe jetzt nur mehr mit Maske nach draußen – und meine Kids auch (siehe Foto). Ich testete auch gerade die Methode, sie im Ofen bei 80 Grad 30 Minuten lang zu backen zur Desinfektion. Die Masken, nicht den Nachwuchs. 

Vor dem Brooklyn Zoo, in dem gerade ein Tigerweibchen positiv getestet wurde für das Coronavirus, parken am Parkplatz jetzt statt Besuchern Ambulanzen. Der Ort wurde in eine Zentrale für 250 aus anderen US-Staaten eingezogene Rettungswagen umfunktioniert. Als ich dort ankomme, fahren gerade 20 Wagen in einer Kolonne los am Weg in die Stadt zum Transport der Corona-Kranken. 

Die müssen oft in der Mitte eines Fußgängerüberganges abgeholt werden, wie ich nahe unseres Zuhauses beobachten konnte: Der Rettungswagen parkte quer über der West Street, die Frau wurde am Übergang durch den begrünten Mittelstreifen zuerst versorgt und dann mitgenommen.     

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Herbert Bauernebel lebt mit seiner Familie in Lower Manhattan. In diesem Tagebuch wird der Alltag in New York während der schlimmsten Krise unseres Lebens in persönlichen Anekdoten beschrieben.

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